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Transalp Teil 1       -        Von Oberstdorf ins Unterengadin - durch Allgäuer Alpen, Lechquellengebirge, Verwall, Silvretta                    » Fotoalbum

Die Alpen am Stück zu Fuß durchqueren. Auch wir träumen schon seit Jahren davon.
Können es aber nicht mehr so recht erwarten. Das ganze Jahr stand bisher im Zeichen des Radelns, für die Berge war noch überhaupt keine Zeit.
2 Wochen Urlaub stehen gerade zur Verfügung, wir wollen loslaufen.

Über einer Alpenpanorama-Karte beginnt die Routenplanung. Die meisten Gebirgsgruppen sind uns bisher unbekannt. Alle locken, doch wir können ja nicht kreuz und quer durch die Alpen stiefeln. Von Nord nach Süd soll es gehen, soviel ist klar. Besonders das Bergell würde uns interessieren, auch das Verwall. Sowieso ein bisserl verliebt sind wir in das Unterengadin. Das Kleinwalsertal haben wir nun schon mehrmals im Winter besucht, jedoch noch nie im Sommer gesehen. Lechtaler Alpen und Silvretta sind uns ebenfalls noch unbekannt.

Die Panoramakarte wird zur Seite geschoben und die Karten der genannten Gebirgsgruppen genau studiert. Was der Bücherschrank hergibt wird zu Rate gezogen.
Kondition und Marschtempo sollen berücksichtigt werden, speziell die Abstiege nicht zu lang sein. Das Rucksackgewicht soll in keinem Fall über 15 kg hinauswachsen. D.h. das Zelt bleibt daheim, wir sind auf Hütten etc. angewiesen. Die Übernachtungsmöglichkeiten suchen wir anhand der Karten sowie der Alpenvereins Hüttensuche: » www.dav-huettensuche.de heraus.
Mal ist ein Stück Gletscher im Weg, Toms Höhenangst gilt es zu berücksichtigen. Doch langsam aber sicher bahnen wir uns auf den Karten den Weg von Oberstdorf ins Unterengadin.

Es entstehen 9 mal recht kurze, nie zu lange Etappen für den ersten Teil "unserer" Transalp zu Fuß. Bleiben 4 Tage in Reserve um Schlechtwetter oder eine eventuelle Konditionsschwäche aussitzen zu können.

Letztendlich wurden 8 Etappen daraus:

Route


05. September | Oberstdorf (813 m) - Fiderepaß Hütte (Allgäuer Alpen, 2067 m) | Aufstieg 1255 Hm, 14 km

05:20 Uhr, der Wecker piept. 07:20 Uhr: mit dem ALEX, das Wochenendticket in der Tasche, rollen wir aus dem Münchner Hauptbahnhof. Morgennebel liegt auf dem Umland, doch ein sonniger Tag kündigt sich an. Ein stabiles Hoch steht an, was für ein Glück!

Ohne auch nur einmal umsteigen zu müssen erreichen wir Oberstdorf gegen 10 Uhr. Der erste Tag der Tour wird direkt der Anstrengendste werden. Doch erstmal folgen wir Tom's GPS aus Oberstdorf hinaus. Erst als wir den vor der Sonne schützenden Wald erreichen, steigt der Weg zum Freiberg See an, den wir östlich oberhalb umrunden. Dann folgen wir eine ganze Weile lang sanft ansteigenden kleinen Straßen. Wenn die Straße unterhalb des Fellhorn Liftes in Serpentienen anzusteigen beginnt, kann man bereits in der 3. Kurve auf einen Waldpfad wechseln. Angenehm im Schatten der Bäume sparen wir uns einige Serpentinen der Straße. Bis man wieder auf eine kleine Straße trifft, die uns dann zur verfallenen Wank Alm führt und dort endet.

Bis hier war es ein angenehmer Sonntagsspaziergang, vor unseren Augen nun der wirkliche Aufstieg zum Fiderepaß. Zügig nun und fast ohne Umschweife. An das Rucksackgewicht müssen wir uns noch gewöhnen. Die letzten 200 Höhenmeter werden richtig mühsam. Aber dann ist die Fiderepaß Hütte ja auch schon erreicht. Die stabile Wetterlage hat viele angezogen, es ist gut was los auf der Hütte. Die ersten 3 Übernachtungen hatten wir sicherheitshalber schon vor einer Woche telefonisch reserviert. Die meisten scheinen mit Fellhorn- oder Kanzelwand-Lift (Kleinwalsertal) heraufgefahren zu sein um dann zum Fiderepaß herüberzuwandern.

Einige werden morgen von hier in den Mindelheimer Klettersteig einsteigen. Der Paß liegt unterhalb einer langen Felswand. In schwindelnden Höhen kann man eine waagrechte Leiter des Klettersteigs ausmachen. Wir können beobachten, wie ein Bergsteiger darüberläuft. Nee das wär nix für uns.

Spaghetti Bolognese jedoch sind jetzt genau das richtige für uns. Nach einem wahrhaft traumhaften Sonnenuntergang über dem Walmendiger Horn platzt die Gaststube aus allen Nähten. Die 3 Hüttenschweine (im wahrsten Sinne des Wortes mit Ringelschwänzchen) liegen bereits seelig wie die Sardinen in ihrem Strohlager. Der Anblick ist zum Schreien, wirklich. Wir liegen auch schon als Schlafsackwürste im Lager, da pfeifts zünpftig durchs Fenster herein, mit Gitarren- und Mundharmonikabegleitung.

Infos zur Hütte unter » www.fiderepasshuette.de sowie unter der
Alpenvereins Hüttensuche: » dav-huettensuche.de
Die Hütte verfügt nicht über Duschen, nur sparsam zu verwendendes (a...-)kaltes Wasser.
Fiderepaßhütte

06. September | Fiderepaß Hütte - Mittelberg / Bödmen (Kleinwalsertal, 1152 m) | Abstieg 915 m, 6,35 km

Während sich die meisten auf den luftigen Mindelheimer Klettersteig vorbereiten, steigen wir auf direktem und kürzestem Wege über die Fluchtalpe nach Mittelberg / Bödmen ab. Im kühlen Schatten der Schafalpenköpfe. Beim 2. Wegweiser kann man auf einer kurzen Sackgasse (der untere Pfad der nach Süden abzweigt) einen schönen Blick ins hintere Wildental werfen. Ansonsten geht es zügig durch den Wald hinab, bei wenig spektakulärer Aussicht. Ab der Fluchtalpe führt ein viel begangener Fahrweg nach Mittelberg hinaus. Beim Abstieg über die Wannenalpe wäre die Aussicht vielleicht etwas mehr gewesen.

Wir halten uns im Tal nach Schwendle, dann nach Bödmen, da wir dort die nächste Übernachtung im Kleinwalsertal-Naturfreunde-Haus reserviert haben. Das Zimmer ist gut, wir haben Waschbecken und sogar unsere eigene Duschkabine. Nur die Toilette ist auf dem Gang.
Übernachtung mit Frühstück für rund 19.- Euro / Pers. Info unter der Alpenverein Hüttensuche: » dav-huettensuche.de
Am Abendessen wollen wir nicht teilnehmen. Es gibt irgendeinen Braten mit Grünkohl. Nicht unser Geschmack. Da grademal Mittag, nutzen wir die Zeit, um die Salzkrusten aus den Klamotten zu waschen. Durch die Übernachtung sind wir im Besitz der Walser Gästekarte, die kostenloses Busfahren im Tal erlaubt. Unsere Kräfte wollen wir für den Weg ins Unterengadin schonen. So fahren wir hoch nach Mittelberg und nehmen die Gondel hinauf zum Walmendiger Horn, zwecks der Rundumsicht (Berg- und Talfahrt mit Gästekarte 17,50 Euro). Die ist auch wirklich nicht schlecht, nur leider, wie auf beinah der ganzen Tour, ist die Luft sehr dunstig.
Nebenbei: Ein netter Bildband über die Gegend:
Naturerlebnis Allgäuer Berge - Faszinierende Kleinwalsertaler und Oberstdorfer Landschaften, Franz Hieble, 1997 Verlag J. Eberl KG, Immenstadt, ca. 15.- Euro
Der Druck ist nicht sehr hochwertig, aber Anhand der Aufnahmen und den Bildtexten erhält man einen sehr guten Einblick in die Zusammenhänge der Landschaften rund um das Kleinwalsertal. Das Preisleistungsverhältnis tröstet über den Druck hinweg.

Die Karte zur Gegend: Allgäuer Alpen 1:50 000, Bayerisches Landesvermessungsamt Blatt UK L8, 6.60 Euro

07. September | Bödmen (1152 m) - Hochalppaß (1938 m) - Körbersee (1656) | Aufstieg 890 Hm, Abstieg 385 Hm, 12 km

Ein weiterer strahlender Tag kündigt sich an. Das wunderbare Hoch weiterhin beständig. Noch in morgendlichem Schatten laufen wir an der Straße (linkerhand bald ein Supermarkt) nach Baad hinüber, hinterster Ort im Kleinwalsertal. Hier quellen überraschende Massen aus Autos und Bus. Alle wollen hoch ins Bärgundtal. Wir auch. Auf einem Wirtschaftsweg erreicht man schnell und unspektakulär die Bärgunt Hütte (keine Übernachtunsmöglichkeiten). Doch der gestrige Abstieg hat Spuren hinterlassen. Wir haben schlichtweg einen sauberen Muskelkater. Schon beim Gehen in der Ebene macht er sich bemerkbar. Au wei, später beim Abstieg zum Hochtannbergpaß ... Doch erstmal führt ein Pfad aufwärts durch schattenspendenden Wald. Denn die Sonne kommt nun langsam über die Berge. Der Pfad ist stellenweise feucht und recht lehmig rutschig. Dann öffnet sich ein grüner Wiesengrund. Alle machen hier Pause. Wir auch. Nach einem weiteren kurzen Anstieg und den verfallenen Grundmauern einer alten Alm ist schnell der Hochalppaß erreicht.
Vor uns, im Dunst und Gegenlicht der Mittagssonne bauen sich die Lechtaler Alpen auf. Schon bemerken wir diese süchtigmachende Komponente, wenn sich jeden Tag von neuem eine unbekannte Berggruppe vor den Augen aubaut. Sie zu durchqueren ist das nächste Ziel.

Wir scheinen uns überraschend schnell an das Rucksackgewicht gewöhnt zu haben, es stört einfach nicht mehr. Dennoch lassen wir die Rucksäcke unter Aufsicht der Murmeltiere hier stehen, um einen kurzen Abstecher zum Seekopf zu machen und einen Blick auf den leuchtend blauen Hochalpsee zu werfen.

Vom Paß aus sind Aufstiegsrinne und Gipfel des Widdersteins gut zu beobachten. Scheint allerhand los zu sein. Etwas irritierend die Helikopter, die rundherum kreisen. Wir fragen uns, ob wohl ein Film gedreht wird. Erst sanft, dann etwas zügiger geht es dann hinunter zum Hochtannbergpaß. Au weh zwick, der Muskelkater ...

Alternativ hätte man auch durch das Gemsteltal, hintenrum um den Widderstein über die Widdersteinhütte hier herunter absteigen können. Vermutlich die ruhigere Variante und vielleicht landschaftlich attraktiver. Vielleicht machen wir das irgendwann nochmal als große Runde.

Wir lassen die Lechtaler Alpen quasi links liegen und folgen ein Stück der Straße bis zum Abzweig Körbersee. Viel los hier, Autos, Zweiräder mit und ohne Motor, Busse. Auch hier ein Hubschrauber der Baumaterial für Lawinenverbauungen an den Hang der Höferspitze bringt. Auf einem breiten Spazierweg bei extrem hohen Rentneraufkommen, latschen wir zu unserem heutigen Übernachtungsziel: das Sporthotel Körbersee. Es ist nicht per Auto zu erreichen und liegt abseits, wenn die Rentnerscharen am späten Nachmittag abgezogen sind, sehr ruhig am Körbersee (erfrischendes Bad erlaubt). Abgesehen von dem ständigen Kuhglockengeläut. Wir erkundigen uns unverbindlich nach dem Kuchenangebot: Sachertorte ... Alles klar. Lecker!

Das Zimmer mit Waschbecken war ok, Dusche u. Toilette auf dem Gang. Alles bisschen älteres Baujahr. Das Abendessen war sehr gut.
Übernachtung mit Halbpension 42.50 Euro / Pers. Info: » www.koerbersee.at

Der Grund für die Hubschrauber am Widderstein leider viel tragischer: Ein Bergsteiger wurde nach dem Erreichen des Gipfels gestern zum letzten Mal gesehen.

08. September | Körbersee (1656) - Lech (1444 m)- Ravensburger Hütte (1947 m) | Aufstieg 700 Hm, Abstieg 350 Hm, 16,3 km

Stierlochjoch Unser Weg führt uns heute ins Lechquellengebirge. Zuerst durch das Auenfeld, eine wunderbare Almlandschaft. Leider durch Skilifte ein wenig ihres Reizes beraubt. Heute ist hier Almabtrieb. Diese rundliche Landschaft aus Wiesenhügeln zwischen Mohnenfluh und Tannberg könnte fast auch Tolkiens Auenland sein.

Oberlech dagegen ein hochgezogener Touristenort wie sie immer so schrecklich ernüchternd wirken. In Lech bietet sich wieder die Gelegenheit im Supermarkt einzukaufen. Wir verlassen Lech auf der Straße nach Zug. Im Wald zweigt dann bald an einem Parkplatz ein Spazierweg zum Waldschwimmbad, ein richtiges Freibad, ab. Dahinter wechseln wir auf die andere Seite des Lech und wandern an dessem Ufer bis der Stierlochbach überquert und die Ravensburger Hütte ausgeschildert ist.

Ein Stück auf dem Forstweg bergan, dann zweigt ein Wanderweg (Ausschilderung ebenfalls Ravensburger Hütte soweit wir uns erinnern) ab. Es handelt sich dabei nicht um eine Fahrstraße wie in der Kompass-Karte eingezeichnet! Der Fußweg steigt stetig, zuerst durch einen lichten Wald an der westlichen Talseite an. Die kleine Piste zur Stierlochalpe stört auch nicht, wir fanden das Tal hinauf zum Stierlochjoch überraschend schön und irgendwie ursprünglich. Erst kurz vor dem Stierlochjoch hat man den Weg wie eine Schotterpiste ausgearbeitet. Vielleicht soll es ja mal eine Piste bis hinunter ins Lechtal werden. Das wäre sehr schade.

Oben am Stierlochjoch angekommen, kann man noch ein Stück eines alten, gepflasterten Saumpfades erkennen. Die ruppige Piste ist eine echte Schande. Ansonsten sind wir sehr begeistert von dem Hochtal, das sich vor unseren Augen auftut. Wir beschließen sofort, irgendwann nochmal herzukommen und über das Madljoch zum Zürser See zu wandern. Für heute sind wir aber genug gelaufen. Bald erreichen wir auch die Ravensburger Hütte, mit Blick hinunter zum Spullersee und auf neue verheißungsvolle Berge. Das Verwall.


Wir lassen uns gleich auf den Bierbänken nieder, trinken Spezi und spachteln Käse- und Apfelkuchen. Mann soll sich's doch gut gehen lassen, im Urlaub, oder?

Die Ravensburger Hütte ist klasse. Die sänitären Einrichtungen sind komplett renoviert und absolut top. Es gibt warmes Wasser, Duschen wäre für 2.- Euro (3-4 Minuten) möglich. Wir können schon wieder Wäsche waschen. Und bekommen ein winziges, aber uriges 3-Bett-Zimmer mit Ausblick aus dem Tal für uns allein. Zur Freude der meisten Gäste gibt es am Abend Schnitzel mit Pommes als Extragericht. In überwältigenden Ausmaßen. Außerordentlich umfangreich auch die Spielesammlung. Sponsored by ...?

Info unter der Alpenverein Hüttensuche: » dav-huettensuche.de
Ravensburger Hütte

09. September | Ravensburger Hütte (1947 m) - Langen (1218 m) - Zugfahrt nach St. Anton am Arlberg (1284 m) - Konstanzer Hütte (1700 m, Verwall)
                          Abstieg 730 Hm, Aufstieg 415 Hm, 17,6 km

Die Hütte liegt am Morgen noch im Schatten der Wildgrubenspitzen. Wir passieren den Spullersee am östlichen Ufer auf dem Fahrweg. Rundherum viele Jungrinder und Haflinger. An der südlichen Staumauer wird fleißig gebaggert. Wir flüchten auf dem Wanderpfad über eine Mutterkuhweide zur Grabsalpe, genießen einen schönen Blick ins Verwall und Rätikon und voraus auf den kleinen Eisentaler Gletscher. Dann schlängelt sich der Pfad zügig durch ein enges Tal hinab nach Klösterle am Arlberg. Wir folgen der Forststraße aber direkt nach Langen. Trotz einer verwirrenden Baustelle scheinen wir auf den richtigen Weg zu treffen und können bereits den Bahnhof von Langen sehen. Dann hilft nicht mal mehr das GPS und wir kürzen über eine Wiese ab, um hinunter in den Ort, genauer zum Bahnhof zu gelangen.

Wir wollen mit der Bahn ein Stück östlich nach St. Anton versetzen, um von dort aus ins Verwall zu wandern. Direkt hinter dem Bahnsteig von Langen verschwindet der Zug im Arlbergtunnel, um nach 10 Kilometern direkt am St. Antoner Bahnhof wieder aufzutauchen. Da in Langen der Fahrkartenautomat defekt und der Schalter unbesetzt ist, sollen wir im Zug die Tickets lösen. Da kein Schaffner kommt, war die Fahrt geschenkt :-)

Wir begeben uns in das Zentrum von St. Anton, aber hier herrscht gerade Siesta. Da wir keine dringenden Einkäufe machen müssen, laufen wir gleich weiter, folgen zuerst einmal eine Weile dem Jakobsweg. Nach der Rendelbahn-Talstation unterquert man den durch eine Röhre geführten Autotunnel. An einer kleinen Brücke ist eine Informationstafel mit irreführenden Karteninformationen. Wir bleiben auf dem Jakobsweg also weiterhin mit dem Bach zu unserer Linken. Es folgt ein wunderhübscher Steig durch die Rosannaschlucht. Den Rest des Verwalltales müssen wir auf Fahrwegen zurücklegen. Oberhalb des Verwallstausee wird in der Bergwand wild gebaggert.

Mein Knöchel hat den Abstieg von der Ravensburger Hütte irgendwie übel genommen. Seither zieht es ein bisschen, aber blöderweise fängt der Knöchel nun immer mehr zu stechen an. Kühle den Fuß in einem kleinen Bach. Nach einer Pause geht es dann auch immer wieder - aber nicht wirklich lange gut. Das kann doch nicht sein! Ich kann mich nicht erinnern, den Fuß irgendwie vertreten zu haben. Der unschöne Gedanke macht sich breit, es könnte eine Sehnenreizung oder eine sich ankündigende Entzündung wegen Überanstrengung sein. Mist.

Nach der momentanen Lage ist es zur Konstanzer Hütte, unserem heutigen Tagesziel, nicht weiter als zur nächstgelegenen Bushaltestelle am Verwallsee. Und die Hütte ist mit dem Auto erreichbar, und offensichtlich herrscht einigermaßen reger Verkehr. Also haben wir erstmal nichts zu verlieren und humpeln langsam zur Hütte. Neuer Tag, neues Glück. Wir schauen was es morgen macht.

Die Konstanzer Hütte liegt unten im Verwalltal. Dieses gabelt sich hier in Schönverwalltal und Fasultal. Einen schönen Blick hat man von hier in das Fasultal. Zwischen den beiden Tälern thront über der Hütte der Patteriol.

Die Hütte ist recht neu gebaut. Die alte Hütte lag 700 m weiter im Fasultal und wurde vor einigen Jahren durch einen Hangrutsch zerstört. Auch hier sind die sanitären Einrichtungen top, mindestens an einem Waschbecken gibt es warmes Wasser, Duschen wieder gegen Gebühr möglich. Die Essensportionen sind wieder gigantisch, die Hüttennudeln lecker und der Kaiserschmarrn himmlisch luftig.

Info unter » www.konstanzerhuette.at

10. September | Konstanzer Hütte (1700 m) - Neue Heilbronner Hütte (2308 m, Verwall) | Aufstieg 600 Hm, 8,7 km

Ich spüre den Knöchel noch beim Treppablaufen, sonst geht es aber ganz gut. Deshalb wollen wir in jedem Fall zum heutigen Tagesziel laufen, der Neuen Heilbronner Hütte. Es ist eh nicht weit, und auch sie ist mit einer Piste erschlossen, also keine schlechteren Bedingungen als hier, wenn was wär.

Der größte Teil der Strecke führt auf einer breiten Piste durch das Schönverwalltal, weiterhin dem Rosanna-Bach folgend. Erst bei der Schönverwallhütte geht es in einen Wanderpfad über. Viele Kühe sind hier heroben, grün die Täler. Bald sind wir wieder sehr begeistert. Und heilfroh dass wir weitergelaufen sind. Wir blicken in das Ochsental, freuen uns am Wollgras. Die Strecke scheint sehr beliebt bei Mountainbikern, Wanderer sind kaum unterwegs. Die kommen wohl hauptsächlich von der Paznauner Seite herauf. Die Terrasse auf der Hütte ist gut gefüllt. Wir waren gerademal 4 sehr, sehr gemütliche Stunden unterwegs, aber die Spaghetti-Teller der Radler machen so viel Appetit, wir bestellen auch schon gleich. Unermüdlich knallt die Sonne vom Himmel. Auf einem Bänkchen an der Winterhütte finden wir ein schattiges Plätzchen für eine kleine Siesta.
Geplant war für morgen auf dem Friedrichshafener Weg zur Friedrichshafener Hütte zu wandern. Da wollen wir schon mal ein bisschen vorfühlen und spazieren nachmittags eine gute Stunde in Richtung Muttenjoch. Wir werden von einem spätsommerlichen Farbenrausch überwältigt und sind sofort verliebt. Moose leuchten in erdigem Orange und Rot, weiß leuchten Wollgras und Blümchen, und überall Steine. Das Verwall hat was sehr ruhiges, es ist nicht schroff wirkt aber trotzdem urtümlich wild. Auch hier wollen wir gern nochmal herkommen.

Der Anstieg zum Muttenjoch ist kurz aber zackig, auf der anderen Seite geht es genauso hinunter. Deshalb beschließen wir sicherheitshalber eine Planänderung. Da wir nicht wissen wie mein Knöchel auf neuerliches Absteigen reagiert, werden wir auf dem Wirtschaftsweg zum Kops-Stausee runterlaufen. Hier gäbe es im Fall des Falles eine Busanbindung. Aufgehoben ist nicht aufgeschoben, den Friedrichshafener Weg wollen wir nachholen.

Die Neue Heilbronner Hütte scheint z.T. nagelneu, der Treppenaufgang erinnert eher an ein Hotel, die Toiletten und Waschräume wieder 1 A und die Duschen sogar kostenlos. Der Anspruch der Hüttenbesucher scheint recht hoch inzwischen, wir sind wirklich überrascht von den Hüttenstandards. Aber auch die erste Hütte in der man einen Tisch im Gastraum reservieren muss!
Info unter » www.heilbronnerhuette.at

Wir beziehen ein knuffiges 4 Bett Zimmer im alten Teil. Ziemlich spät bekommen wir doch noch Gesellschaft von 2 Bikern. Glücklicherweise schnarchen sie wenig. Im Gastraum, über dem sich unser Zimmer befindet, wird bis zur Hüttenruhe ordentlich gefeiert. Ein Geburtstag wohl.
Mahlzeit! Auf den Alpenhütten muß keiner darben.

11. September | Neue Heilbronner Hütte (2308 m) - Galtür (1584 m, Paznaun) - Jamtalhütte (2165m Silvretta) | Abstieg 725 Hm, Aufstieg 580 Hm, 22 km

Lama
Lustige Gesellen trifft man in Kleinzirnis
Glücklicherweise sind wir mit dem Frühstück früh genug dran, um noch ohne Reservierung einen Tisch zu bekommen. Draußen wär es wirklich noch ein wenig frisch. Ein paar Wolken sind schon aufgezogen. Bis morgen soll das Wetter aber noch halten. Wir latschen auf der Piste talwärts. Dann kann man einige Serpentinen auf einem Pfad zur Verbellaalpe abkürzen. Der ist aber so aufgeschottert, das es auf der Piste wohl angenehmer gewesen wäre. Bald zweigt man dann aber endgültig von der Piste ab. Auf einem netten Weg geht es rum um die Fluh hinunter zum Zeinsjochhaus, am Kops-Stausee gelegen.

Die Vorsichtsmaßnahme war umsonst, mein Knöchel macht keinen Mucks mehr. Insgesammt ist der Tag ein riesen Hatscher. Auf einer kleinen Straße kommen wir nach Galtür. Kurze Pause, doch wirklich schön ist der Ort nicht, sehr touristisch, haufen Leute.

Nach dem Runterhatscher jetzt der 10 km Raufhatscher. Nach etwa 3 km kann man alternativ zum Wirtschaftsweg auf den Wanderweg wechseln. Was wir auch machen. Voraus rückt der Jamtalferner langsam näher. Dann aber plötzlich am Wegesrand eine Tafel. Sie listet die Verlockungen der Scheibenalm auf.
Wir biegen ab. Frische (Butter-)Milch, Zwetschgendatschi, Käsesahne. Wandern in den Alpen muss nicht wirklich entbehrungsreich sein.
Langsam wollen wir ankommen und bleiben deshalb jetzt auf der Piste, um die letzten Kilometer möglichst flott hinter uns zu bringen.

Erst auf den letzten Metern taucht die Jamtalhütte vor den Augen auf. Die Front modern und offensichtlich sehr neu gestaltet. Schon wieder eine Luxushütte. Wames Wasser, Duschen gegen Gebühr (mit praktischer Stopfunktion die auch die Zeit anhält). Wir bekommen ein 2er Zimmer, sogar mit Schlüssel.
Info unter: » www.jamtal.at/jamtalhuette/index.htm
Statt großes/kleines Frühstück oder Müsli, gibt es hier ein Frühstückbuffet mit selbstgebackenem Brot, Marmelade, Müsli, Wurst, Käse, Marmelade (9.- Euro).
Jamtalhütte

12. September | Jamtalhütte | Auf-/Abstieg 250 m, ca. 5 km


Der Wetterbericht erweist sich auch heute als richtig. Es regnet. Beinah den ganzen Tag. Wir sitzen das aus. Schon morgen soll es wieder ganz annehmlich sein.
Wir vertreiben uns die Zeit mit der Hüttenbibliothek.

Die Berge heut mehr in der Theorie
Die Wirtsfamilie der Jamtalhütte musste schwere Schicksalsschläge hinnehmen. Am 22. Februar 99 wurde ein Großteil des damaligen Neuanbaus von zwei Staublawinen zerstört. Kein Mensch kam zu Schaden, die Gäste befanden sich auf Skitour. Am folgenden Tag jedoch kamen bei dem tragischen Lawinenunglück in Galtür 2 Generationen Hüttenwirtinnen des Jamtals ums Leben.

Als am Nachmittag der Regen aufhört, nutzen wir die Gelegenheit, um dem Jamtalferner einen Besuch abzustatten. In einer guten Stunde erreicht man über eine Seitenmoräne die auslaufende Gletscherzunge. Für einen Moment leuchten schon ein paar Gletscherflecken in der Sonne. Am Ziel angekommen, bleiben uns grad wenige Minuten um ein Foto vom Gletschertor zu machen, dann setzt der Regen wieder ein. Flüchten schnell zur Hütte und einer heißen Schokolade zurück.

13. September | Jamtalhütte (2165 m) - Futschölpass (2768 m) - Jamtalhütte (2165 m) | Auf-/Abstieg 885 m, 12,3 km

Tatsächlich, wieder soll der Wetterbericht recht behalten. Der Regen hat sich verzogen, harmlose Wolken umstreichen die Gipfel. Die letzte Etappe - 17 Kilometer trennen uns noch von unserem Ziel, dem urigen Bergdorf Ardez im Unterengadin. Spätestens morgen wollen wir entspannt in den heißen Wassern des Mineralbad in Scuol treiben. Die Belohnung für 115 km Fußmarsch.

Für eine Weile verlassen wir die "ausgebauten" Alpen mit Fahrwegen und Käsesahne. Vielleicht wegen des schlechten Wetters gestern, jedenfalls begegnen wir heut keiner Menschenseele auf dem Weg über den Futschölpaß. Dabei wird der Übergang schon seit vielen Jahrhunderten genutzt. Denn eben von Ardez aus (u.a.) erschlossen die Rätoromanen Jam- und Vermunttal bis hinunter ins Paznaun. Sie fanden hier gute Weidegründe vor. Lange Zeit war Galtür auch der Kirche von Ardez zugehörig. So mußten selbst die Toten die Reise über den Futschölpaß antreten, sommers wie winters.
Wunderschön das "Breite Wasser" vor der Kulisse der Getschner Spitzen. Nächster Stop "Finanzer Stein". Hier hatten sich Grenzposten einen originellen Unterstand unter einen großen Findling gebaut. Leicht hatten sie es wohl nicht da oben. Und die Schmuggler die an ihnen vorbei Tabak, Kaffee und Saccharin über die Päße schleppten, hatten die Sympathien der Bevölkerung auf ihrer Seite.

Auf dem weiteren Weg verändert sich das Gestein augenfällig. Flache Sandsteine statt dunklen, kristallinen Silvretta-Gneis. Wir bewegen uns im Engadiner Fenster wo ehemaliger Meeresboden zu Tage kommt, auf bald 3000 m Höhe.

Dann werden auch wir zu Grenzgängern: der Futschölpaß - wir stehen nun vor der Schweiz. Wo die Berge Namen wie Piz Faschalba tragen, die Täler Val Urschai oder Val Urezza heißen oder eine Alpe Marangun Valmala. Zum ersten mal ist es frisch. Jacken und Mützen werden ausgepackt.

Das Tal durch das es jetzt hinunter geht, ist mit einem gigantischen Steinhaufen angefüllt. Unvorstellbar was hier passiert sein mag. Da müssen ganze Berge heruntergekommen sein. Wir sind jetzt froh, daß das Wetter so gut ist, sonst wäre der Weg über den Steinbruch noch mehr eine Schnitzeljagd. Wir freuen uns als wir an die westliche Talseite auf einen schmalen Wiesenpfad wechseln können. Keine Menschen. Viele Schafe.
Etwa 250 m über dessen Talgrund biegen wir in das Val Urschai ein. Und da passiert es so plötzlich, so kurz vor dem Ende der Reise, daß wir völlig überrumpelt werden. Der Pfad, nur Spurbreite, verläuft so unglücklich am Hang, daß er senkrecht abzufallen scheint. Das wars. Zu viel für Tom. Ich erkunde den Weg noch ein ganzes Stück. Abgesehen von Höhenangst ist er gut zu laufen. Die Täler Uschai, Urezza und Tasna treffen zusammen, sehen aus dieser Perspektive tief und eng aus, urtümlich.

Wir kehren um, das ist ja klar. Nicht zu leugnen, daß wir beide dennoch enttäuscht sind, als wir so unverhofft schnell schon wieder den Futschölpass überschreiten. Dennoch - einer der schönsten Abschnitte der Tour.
Erneut checken wieder in die Jamtalhütte ein. Zum Abendessen begrüßt uns die Wirtin: "Ja hey, Ihr seids ja wie a Bummerang!"
Futschölpaß
Auf dem Futschölpaß

14. September | Jamtalhütte (2165 m) - Galtür (1584 m) - Bus nach Landeck / Scuol (Untergenadin) - Zug nach Ardez | Abstieg 580 m, 10 km

Bauernhaus Ardez
Die beiden Fenster rechts oben gehören zu "unserem" Zimmer.
Raus aus'm Tal, rein in Bus nach Landeck. Bei der Durchfahrt durch Ischgl staunen wir nicht schlecht über die Auswüchse des Skitourismus.
In Landeck kann ich mir zumindest endlich neuen Lesestoff besorgen.
Wieder mit dem Bus geht es ins Unterengandin bis nach Scuol.

Dann noch eine kurze Fahrt mit der Räthischen Bahn und wir erreichen doch noch Ardez. Auf einer alten Innterrasse hoch über dem Talgrund gelegen, umgeben von satten Wiesen und bewacht von der Burgruine Steinsberg.

Quartier finden wir sehr schnell in einem der urigen alten, sgraffitoverzierten Bauernhäuser. 500 Jahre alt soll unser Zimmer sein. Eine Zeitreise.
Die Decke biegt sich durch, wie auch so manche Hauswand über die Jahrhunderte einen hübschen Bauch bekommen hat.
Die Türen gleichen eher Portalen, oft kunstvoll geschnitzt. Man fuhr gleich mit Perd und Wagen hinein. Mensch und Tier lebten gemeinsam in den stattlichen Häusern.

Bei dem echten Scraffito wird mit zweifarbigem Putz gearbeitet, der dunkle auf dem hellem aufgetragen. Die Motive werden dann aus dem noch feuchten Putz herausgearbeitet.

Ardez meine ich ist fast das schönste der Engadiner Dörfer, überzeugend ursprünglich.

15. September | Ardez - Guarda - Ardez / Scuol | 10 km

Scraffito in Ardez Eigentlich sind wir ja noch nicht ganz fertig mit unserer Tour. Aber die Luft ist doch irgendwie raus, und immer noch hängen die Wolken tief im Engadin. Von den Bergen ist nicht allzu viel zu sehen. Deshalb spazieren wir heute nach Guarda. Mit seinen prächtigen Engadiner Häusern reiht es sich in die "Ortsbilder von nationaler Bedeutung" ein.

In der Künstlerwerkstatt Guard Art verfallen wir wundervollen Holzskulpturen. Nur die Preise bewahren uns vor einem Kauf. In der Keramikwerkstatt am anderen Ortsende werden hinreißende Ziegen gefertigt.

Bleibt immer noch der Nachmittag. Was solls, wir finden wir haben das entspannende Dümpeln im Engadin Bad Scuol bereits jetzt schon verdient.
Der Abend wird dann noch richtig verregnet.

16. September | Ardez (1464 m) - Val Urschai (2211 m) - Ftan (1633 m) - Ardez | Auf-/Abstieg 750 Hm, 28 km

Heut hat er nicht recht, der Wetterbericht. Immernoch hängen die Wolken dick in den Bergen. Hilft aber nichts, morgen wollen wir die Heimreise antreten. Deshalb müssen wir nun ein wenig Vergangenheitsbewältigung betreiben. Wir wollen natürlich noch die fehlenden Kilometer unserer Transalp Teil 1 machen.

Die meiste Zeit sehen wir leider nicht allzu viel, tappen im Nebel. Auf der Piste hinauf durchs Val Tasna ist überraschend viel Verkehr. Offenbar soll der ganze Kuhmist des Unterengandins noch vor dem Winter auf den Almwiesen verstreut werden. Hätten besser den Wanderweg auf der anderen Bachseite genommen.

Unsere Hartnäckigkeit wird aber doch belohnt, hinter der Alp Valmala, wo Val Tasna, Val Urezza und Val Urschai zusammentreffen, ziehen die Wolken geschwind nach oben weg. Hier wird noch rege und ursprünglich Almwirtschaft betrieben. Viele Kühe, Ziegen, Pferde und eine Unmenge Schafe sind noch immer heroben. Die Alpen klein und urig. Ein paar Getränke, Almkäse, aber keine große Ausflugswirtschaft. Tiefer im Val Urschai, an der Marangun d'Urschai beenden wir sozusagen unsere bisher längste Tour. Von unten sieht man, daß der Hang so steil nicht ist wie er von oben aussieht.
Die Berge sind nun schon fast bis hier herunter überzuckert. Schon ist die Vorführung vorbei. Vom Tal drängen die nächsten Wolken nach.

Auf dem Rückweg, weil wir ja nun schon halb da sind, will ich noch einen Abstecher nach Ftan machen. Hier treffen moderne und alte Bauweise aufeinander.
Als wir uns auf müden Sohlen endlich wieder Ardez nähern, ziehen die Wolken ab, geben die Berge frei und unter uns liegt der Ort in der Sonne.
Vor 4 Tagen hätte uns bestimmt ein kleines Hochgefühl ergriffen.

Zum Abschluß: die Spaghetti Bolognaise im Hotel Aurora können wir sehr empfehlen!        Viel Information rund um das Unterengadin unter » www.scuol.ch

Morgen geht's heim, mit Bus und Bahn (über Landeck, Kufstein, Rosenheim) und wie ma's macht ... zum Abschied Traumwetter im Unterengadin,
das sonnenverwöhnte und liebenswerte Ende der Schweiz.


Tierisch

gründliche

Reinlichkeit

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