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Eine Fahrt durch die Wüste


Mit dem Geländewagen
an den Nordrand des Vatnajökull

08. August 98, Campingplatz Hlí am Mývatn See, 20 Uhr:
 
Wir sitzen gerade groggy und mit platten Füßen vor unserem Zelt, gerade erst von einem sehr langen Marsch durch Solfataren- und Lavafelder zurück. Rainer kocht Spaghetti mit Tomaten-Käse Sauce. Da bekommen wir Besuch von unseren Zeltnachbarn Andreas (Lehrer) und Pierre (Weltreisender). Sie suchen noch 2 Mitfahrer für eine 2-tägige Tour zu den Kverkfjöll mit einem Geländewagen den sie mieten wollen. Losgehen soll es schon in wenigen Stunden.
Da können wir nicht nein sagen.
Da die beiden jedoch noch keine Islanderfahrung haben und staunen dass nicht alle Flüsse überbrückt sind, möchte ich mich noch bei der Information am Nachbarcampingplatz nach den Wegverhältnissen erkundigen. Das Mädchen dort verweist uns an einen älteren Herrn der sofort alle Bedenken zerstreut. Zwar sei die Piste nicht die komfortabelste, doch die Flüsse für einen großen Wagen wie den Nissan Patrol kein Thema. Als wir zurückkommen ist es bereits 22 Uhr und der Wagen inzwischen am Parkplatz eingetroffen. Da glaub ichs auch, das Riesending kann vermutlich so schnell nichts umhauen. Wir bereiten noch unser Gepäck vor, mitgenommen wird nur das Nötigste, der Rest bleibt in Pierre's Zelt am Campingplatz.


09. August 98, Campingplatz Hlí am Mývatn See, 02:30 Uhr:
 
Endlich piept der Wecker. Vor lauter Aufregung konnten wir sowieso kaum ein Auge zu machen. Wir packen unsere Sachen und das Zelt zusammen, hoffen bei den Nachbarn nicht allzu argen Unmut zu erregen. Beim Eldá Campingplatz lesen wir die beiden angekündigten Amerikaner auf, Charly und Brian. Letzterer in kurzen Hosen. Es sind die freundlichen Tischnachbarn aus der Kneipe von gestern abend. Das Abenteuer kann beginnen. Zwei Tage ist der Wagen gemietet, die Zeit will genutzt sein. Doch der Hauptgrund für den extra frühen Aufbruch ist es, so haben wir gelernt: die Askja vor den "Goretex-Jacken" zu erreichen!

Sonst regt sich nichts in der Morgendämmerung. Die Solfataren am Námafell dampfen gespenstisch im fahlen Mondlicht vor sich hin. Kein Mensch stört nun die urweltliche Szenerie. Unser Wagen rauscht leise vorbei. Nach 35 km zweigt die Öskjuleið von der Ringstraße ab. Eine Wellblechpiste durch ebene, graue Steinwüste. Es gibt nur zwei Möglichkeiten der Geschwindigkeit: Im Schrittempo schleichend, oder mit 60 Sachen über die Rillen "fliegen". Die Herðubreið, die "Königin" der isländischen Berge, verhüllt ihr Haupt heute nicht in Wolken. Entstanden unter 1000 m dickem Eis, erhebt sich der Tafelvulkan majestätisch aus der Lavawüste. Schon von der Ringstraße aus zieht er alle Blicke auf sich.


Der Tafelvulkan Herðubreið erhebt sich aus der Lavawüste Ódáðahraun   

Der Mond wird blasser, während wir beständig auf die Herðubreið zufahren. Die noch hinter einer Hügelkette verborgene, aufgehende Sonne lässt die Erhebungen der Landschaft rosarot aufleuchten. Als das breite Schotterbett des mächtigen Gletscherflusses Jökulsà à Fjöllum in Sicht kommt, kriecht sie gerade golden über die Berge. Hier wälzten sich nach der letzten Eiszeit gewaltige Gletscherläufe gen Küste. Die Ódáðahraun (Lavafeld der Missetäter) im Licht der aufgehenden Sonne, ein unvergesslicher Anblick!

Die Grafarlandaá ist der erste zu furtende Fluss. Ein klarer Quellbach, der weiter südlich aus einem Lavafeld entspringt. Hat man die einfache Furt genommen, präsentieren sich die Kaskaden eines kleinen Wasserfalls. Die Piste windet sich nun durch ein Lavafeld, und kurz darauf folgt die Furt der Lindaá. Sie ist tiefer, etwa einen halben Meter, doch auch hier ist das Wasser klar und das Kiesbett so eben, dass die Durchfahrung recht unspektakulär vor sich geht. Aber ein paar kleine Bugwellen erzeugen wir zumindest. Bald ist Herðubreiðarlindir (Quellen der Herðubreið) erreicht. Eine grüne Oase am Fuß des Tafelbergs, wo aus der Lava zahlreiche klare Quellen entspringen.

In der Nähe der Hütte suchen wir die Reste einer der Behausungen des berühmten Geächteten Eyvindur. In dem mit Steinen befestigten Erdloch fließt eine kleine Quelle durch, ein Pferdegerippe, getarnt mit Gras, bildete das Dach. Es gilt als gesichert, daß er hier unter unvorstellbaren Bedingungen den Winter 1774/75 verbrachte, sich nur von rohem Pferdefleisch und Angelika-Wurzeln ernährte. Wir verlassen die Oase recht bald wieder (wir müssen ja...), während die ersten Gestalten am Campingplatz um die Toiletten huschen. Brian hat inzwischen klammheimlich die Beine an seine Hose gezippt. Hätt uns doch gewundert wenn der nicht gefroren hätte.

Die Piste windet sich nun in engen Kehren durch Lavafelder oder wühlt sich durch Sandflächen. Während Busfahren hier zum Achterbahnfahren wird, nimmt der Geländewagen souverän alle Unebenheiten. Die braunen Schnellen der Jökulsá á Fjöllum, die hier durch eine schmale Schlucht donnert, überqueren wir mit Hilfe einer der wenigen Brücken. Aus dem mit schwarzem Sand und heller Bimsasche marmorierten Vikarsandur erhebt sich bald das Vulkanmassiv Dyngjufjöll. Die kleine Schutzhütte, lassen wir erstmal links liegen. Steuern durch "61er"-Lava der letzten Eruption im Askjagebiet, auf die Caldera der Askja zu.
Die Askja (Schachtel) ist eine 50 qkm große Talschüssel auf 1000 m Höhe in den Dyngjufjöll.

Es ist nun etwa 8 Uhr morgens.

Ja! Niemand ist zu sehen.
Wir dürfen unsere Goretexjacken glücklicherweise anbehalten. Selbst Brian hat inzwischen sogar Gamaschen angeschnallt. Wie bei meinen vorigen Besuchen hat es nur wenige Grad über Null. Dafür aber zu meiner großen Freude weder dicksten Nebel noch Schneetreiben. Vom Parkplatz am Ende der Piste ist es noch eine Stunde Fußmarsch durch die Senke, über ein großes Altschneefeld, zum kleinen Viti-Krater. Ein runder, steiler, schwefelgelber Krater, gefüllt mit milchigblauem Wasser von knapp über 20 Grad C Badetemperatur für diejenigen, die noch Tage eine schwefelige Aura um sich tragen wollen. Wir verzichten dankend auf das Badevergnügen. Oben am Kraterrand hebt einen der eisige Wind beinahe von den Füßen.
Vulkanforscher
"Vulkanforscher" Charly

Dahinter liegt der 11 qkm große Öskjuvatn, mit 217 m tiefster See Islands, ein dunkelblauer Kratersee. Die Caldera Askja entstand durch Absinken des Geländes über der entleerten Magmakammer. Wir machen noch einen kleinen Abstecher am linken Seeufer entlang, auf der Suche nach einer gewaltigen Obsidianwand.
Ein Geologe hat Andreas auf der Fähre nach Island davon erzählt. Natürlich haben wir sie nicht entdeckt. Ist auch das Seeufer bald abschüssig und rutschig durch die lockeren Gesteine. Kehrten doch hier der Geologe Walther von Knebel und der Maler Max Rudloff nie von einer Erkundungsfahrt über den See zurück, und blieben für immer verschwunden. Wir wollen nicht vom gleichen Schicksal ereilt werden. Als wir uns auf den Weg zurück zum Wagen machen, kommen uns die Goretex-Jacken bereits reihenweise entgegen, stapfen zielstrebig zu den Seen.


Hilfe, die Goretex-Jacken kommen.                                                                                                                                              Aber sind wir nicht selbst welche...   

In der Dreki-Hütte hat bereits jemand den Ofen angeheizt, wir können uns dort noch etwas aufwärmen. Vorher aber machen wir einen Abstecher zum Wasserfall am Abschluss der Drekagil (Drachenschlucht). Am linken Schluchtrand, sieht man, ohne viel Phantasie zu benötigen, die Gesichter von Trollen, den zweiköpfigen Drachen ...
Nun schaukelt uns Brian sanft über die unkomfortable Piste. Die kurze Nacht macht sich bemerkbar, bald baumeln die Köpfe hin und her. Dabei ist die Landschaft hier besonders beeindruckend. Bizarre Lavaformationen, mit roter Asche bedeckte Hügel ... Bald leuchtet das gewaltige Eisschild des Vatnajökull am Horizont. Gewaltige Endmoränen sind Zeugen der früheren Ausdehnung des Gletscher. Die große, schöne Hütte Sigurdarskali liegt am Nordrand des Vatnajökull in den Kverkfjöll Bergen. Die Hütte ist über die wenigen Sommermonate betreut. Der Hüttenwart gibt Auskunft über die Wandermöglichkeiten in dem Gebiet. Ein kleines Faltblatt verzeichnet verschiedene Wandertouren in der näheren Umgebung der Hütte. Eine bis zu 8stündige Tour führt über den Gletscher zu einem geothermal aktiven Gebiet, wo inmitten endlosen Eises heiße Quellen und Schlammtöpfe brodeln. Offenbar gibt es dort auch eine Schutzhütte. Doch sollte man diese Gletscherwanderung besser geführt unternehmen. Ein erfahrener Guide führt die Tour einmal die Woche durch.
Wir kochen uns in der Hütte erstmal ein warmes Mahl, nachdem wir (entgegen der Warnung des Warden) die Zelte auf den dicken Rasenmatten(!, extra angelegt) neben der Hütte aufgebaut hatten. Gerade gespeist, werden wir auf ein pfeifendes Geräusch aufmerksam. Vor den gegenüberliegenden Fenstern sind die Teilnehmer von Wikinger Reisen mit 10 Mann damit beschäftigt, in höchster Not, ihr Küchenzelt festzuhalten. Die Schadenfreude weicht jedoch bald aus unseren Gesichtern, als wir durch die anderen Fenstern unsere Zelte im Sandsturm in die Knie gehen sehen. Bald erfüllt großes Chaos die Hütte, vor allem die Küche. Die "Wikinger" wollen nun auch Kochen. Neben einem hektischem Abwasch um unser Geschirr zu retten, sehe ich durch das Fenster mein armes Zelt sturmgebeutelt.

Zelt
Heftige Fallwinde vom 8000 qkm großen Gletscher drücken unsere Zelte zu Boden   

Ich bin sehr stolz, wacker hat es den Böen standgehalten. Bis wir, um keinen Stangenbruch zu riskieren, die Stangen lösen, und alles ordentlich mit Steinen beschweren. Ganz erstaunlich gerade steht das Zelt von Brian und Charly. Ich bin mächtig beeindruckt, doch nur so lange bis wir von Andreas und Pierre erfahren, dass die beiden drin sitzen und sich mit aller Kraft gegen ihre Zeltstangen stemmen. Der Wind läßt nach, und als er in der Nacht wieder losbraust, liegen wir geschützt unter dem Dach der Hütte.


10. August 98, Hütte Sigurdarskali:
 
Am nächsten Morgen sorgt ein nicht sturmtaugliches Zelt für Aufmerksamkeit, wie es da vom Wind dem Überzelt beraubt, mit gebrochenem Gestänge und zerrissenem Innenzelt traurig auf dem Rasen steht. Keiner will sich mehr zu ihm bekennen.

Andreas und Pierre wollen eine größere Gletscherwanderung unternehmen. Mit dem Wagen fahren wir gemeinsam bis ans Ende der Piste an die Gletscherkante. Ein kurzer Fußweg führt zu einem Gletschertor, aus dem ein lauwarmer Bach fließt. Einer der Quellflüsse der Jökulsá á Fjöllum. Doch heute ist er braun und reißend. Stoppt jäh schon hier unsere Wanderung. Wir wären sowieso zu wenige, um die bereitliegende Furt-Stütze über den Fluss zu positionieren. Doch auch die Eishöhle, aus der der Fluss entspringt, ist ein ein beeindruckendes Bild. Große Eisbrocken liegen vor dem Gletschertor herum. Abgebrochen vom Gletscher der weiteres Eis nachschiebt. Sicherlich sind die Warnschilder, die raten sich nicht zu nah an die Icecaves heranzuwagen, ernstzunehmen. So brechen wir früh die Wanderung ab. Auch bläßt der Wind inzwischen nervtötend. Lediglich Rainer und Pierre haben noch Lust auf den nahegelegenen Gipfel Biskupsfell zu wandern. Es muß sich gelohnt haben, sie genießen eine gigantische Aussicht über die Vulkanlandschaft, die schier endlosen Gletscherzungen und das weite Hochland.

Ungeschickterweise war über Nacht eines der Wagenfenster nicht ganz geschlossen. Ich beseitige die kleinen Sanddünen auf den Amaturen und Polstern. Als sich die anderen Gäste der Hütte an das Abendessen machen oder geduldig für die warme Dusche anstehen, packen wir unsere Habseligkeiten wieder in den Wagen, und treten die gut 5stündige Fahrt zurück an den Myvatn an. Die Herðubreið verhüllt ihr Haupt heute in Wolken.
Blöderweise haben wir bisher völlig verschwitzt spektakuläre Aufnahmen von (unseren 3 glücklicherweise harmlosen) Flußdurchfahrungen zu machen. Und der letzte Fluss auf unserer Tour erweist sich gerademal als knöcheltief. Ein bisschen mehr Gas dafür, und schon macht die Sache was her. Und endet beinah mit einem kollektiven Duschbad der Fotografen.
Wir verlassen das Hochland auf der Kverkfjallaleið über Mörðrudalur. Sie gilt als eine der schönsten und abwechslungreichsten Pisten Islands. Uns führt sie durch die endlos erscheinende Wüste direkt in den rotglühenden Sonnenuntergang. Kitschig, aber schrecklich schön!

Natürlich würde ich nie meine Wanderschuhe gegen ein vierrädriges Monster eintauschen wollen, aber Spaß hat es gemacht damit durch die Wüste zu brausen. Das muss man dann doch zugeben.

Buchtipp:

· Isafold von Ina von Grumbkow wurde im Verlag Literaturwissenschaft TransMIT neu aufgelegt.   » www.literaturkritik.de/...
Ina von Grumbkow beschreibt eine Reise, oder vielmehr Expedition durch Island zu Pferd 1908. Es ist die Suche nach ihrem Verlobten Waslte von Knebel der von seiner Islandexpedition nicht zurückkehrte. Sehr lesenswert!
Es gibt es auch als Online-Version auf der gleichnamigen Hompage von Dieter Graser   » www.isafold.de/...

Weitere Bücher zur Gegend:

· Island - Insel der Mythen, Ingeburg Tiemann, Harenberg Edition
Ein kleines Bilderbuch mit Auszügen aus Ina von Grumkows Buch "Isafold" in dem die junge Frau ihre abenteuerliche Reise durch Island beschreibt, die sie 1908 unternahm um ihren Verlobten, den deutschen Forscher Walther von Knebel , zu suchen, der von einer Expedition nach Island nicht wieder heimgekehrte.

· Asgard - Entdeckungsfahrt in die germanische Götterwelt Islands Walter Hansen
Der Autor zieht mit dem Geländewagen aus um die Schauplätze der Germanischen Götterwelt ausfindig zu machen: in Herðubreiðarlindir das Idafeld, die Hofwiese der Götter, die Herðubreið beherbergt Asgard, den Sitz der Götter, und der kleine Schildvulkan oben auf dem Tafelberg ist Hlidskjalf, Odins Hochsitz. das Askja-Gebiet ist das Reich der Zwerge, und so weiter ...

Strecke: Die Öskjuleið (Ringstr.->Askja, 102 km) und die Kverkfallaleið (110 km) sind als Allradpiste gekennzeichnet. Normalerweise sollten die Furten für hochachsige PKWs mit 4WD kein Problem darstellen, es sind klare Quellflüsse mit festem Untergrund und recht eben, normalerweise nicht allzu tief. Bei ungünstigen Wetterverhältnissen mag sich dass sehr schnell ändern. Die Piste kriecht manchmal gar abenteurlich durch oder über Lavafelder, viel Wellblech, manchmal recht sandig. Zur Zeit der Schneeschmelze sind die Pisten gesperrt. Öffnungszeiten erfährt man bei   » www.vegagerdin.is/...

Unterkunft:
Es liegen 3 Hütten auf der Strecke, allen ist ein Campingplatz angeschlossen
Ist man auf einen Schlafplatz in der Hütte angewiesen empfiehlt sich sicher eine Reservierung.

· Þorsteinsskáli, Hütte des Ferðafelag Ìslands bei den Herðubreiðarlindir, 40 Plätze, im Juli/August von Hüttenwart betreut, schön gelegener Campingplatz

· Dreki-Hütte des Ferðafelag Ìslands am Fuße der Askja, 20 Plätze, einfacher Campingplatz, steinig

· Sigurdarskáli, bei den Kverkfjöll, sehr schöne, große Hütte des Ferðafelag Ìslands, 70 Plätze, im Juli/August von Hüttenwart betreut, für Camper wurden dicke Grasstreifen angelegt, es ist ausnahmsweise möglich das Zelt bombenfest anzunageln. Warm Duschen möglich.

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