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                                                                                                                                                    Ausblick vom Hrafntinnusker nach Süden
   Zu Fuß durch das südliche Hochland   -   Auf dem Laugavegur                                                     Mehr Bilder vom » Laugavegur 2000


28. Juni 2000           Mit dem Bus nach Þorsmörk
 
Momentan ist es zwar in Skogar trocken, aber es sieht so aus als wäre das Wetter da oben zwischen den Gletschern nicht ganz so toll. Wir skippen die Überquerung des Fimmvörðurháls nach Þorsmörk. Was sich im nachhinein als richtige Entscheidung herausstellt.

Die 3 Stunden Umsteigezeit in Hvollsvöllur verbringen wir im Zentrum des isländischen Lebens kleiner Ortschaften: der Tankstelle. Gegen 19 Uhr besteigen wir den bereitstehenden Bus nach Thorsmörk. Wie es aussieht sind wir die einzigen Passagiere. Dann kommt auch unserer Fahrer. Die (Rumpel-)Kiste wird gestartet. Wir fahren ca. 100 Meter zum Supermarkt und laden eine Palette Joghurt ein. Nach weiteren 100 Meter an Tankstelle 1 (direkt neben Tankstelle 2) sammeln wir noch Post ein, dann biegen wir auf die Hauptstraße ein. 1. Gang - 2. Gang - 3. Gang - 4. Gang - jetzt heben wir ab. Hört sich jedenfalls so an.

Da man aber mit 80 kmh nicht fliegen kann (unsere durchschnittliche Geschwindigkeit, unabhängig vom Straßenbelag), bleiben wir auf der Straße. Ein wilder Ritt in das Tal unter den Gletschern. Kommt er einen Tick ab von der Spur auf das lose Bankett, schlingert der Bus wie besoffen. Kein Grund die Geschwindigkeit zu verringern. Wir sind uns nicht 100 % sicher ob wir lebendig ankommen werden, im Land der Götter.

Umbauarbeiten sind an der ersten großen Furt beim Gígjökull nötig. Wir saugen nun die Luft aus dem Innenraum an. Das ist als hätten wir eine Turbine an Bord. Dann steht unser furchtloser Pilot vor der Krossá. 2 mal würgt er die Kiste ab, dann stampft der tapfere Bus durch die brauen Fluten. Geschafft! Eine außergewöhnliche Privatfahrt.


Bus-Stop am Gígjökull     

Husadalur liegt nicht so schön, da ein Bergrücken im Osten die Aussicht auf die Gletscher verwehrt. Wir wandern noch die Stunde hinüber in das Langidalur. Ein wunderschöner Ort mit Hütte und Campingplatz. Wir brauchen eine Weile bis wir den geeigneten Platz für unsere beiden Einzelzelte gefunden haben. Ich konnte mich nicht entscheiden. Frauen :-)

Der Eyjafjallajökull wird noch kurz von der Abensonne gestreift - wunderschön.


29. Juni 2000          Stakkholtgjá und Valahnúkur
Es kündigt sich ein Hoch für die nächsten Tage an. Wir verbringen den Tag im Tal. Obligatorisch der Spaziergang in die Stakkholtgjá.
Nach Süden hin verjüngen sich die mit Gras und Farn begrünten, quasi senkrechten Schluchtwände bis man nur noch im Bachlauf weiterkommt. Woraufhin man in einer nach oben offenen Höhle steht, verzaubert von einem der schönsten Wasserfälle die man sich denken kann. Er fällt praktisch vom Himmel herab.

Der Nachmittag ist dem Valahnúkur gewidmet, den man vom Campingplatz aus in einer Stunde besteigen kann. Von dem Wiesengipfel genießt man eine preisverdächtige Rundumsicht. Trotz des guten Wetters ist es leider um die Gletscher Mırdals- und Eyjafalljökull etwas diesig. Im Tal glitzern die Silberfäden der Krossá und ihrer Zuflüsse. Da stehen wir ergriffen und Blicken auf die grünen Schluchten unter den Eiskappen. Goðaland - Götterland. Auf der anderen Seite zerteilt die tiefe Schlucht des Markarfljót Canyons ein weites Tal. Nach Norden blicken wir in die Berge die wir in 3 Tagen erreichen.

Wir nehmen den nördlichen Weg zurück zu den Zelten. Durch saftige Wiesen, blühend, unter meterhohen Krüppelbirken. Überall das Knabenkraut. Lieblich und rundherum wild, was für ein Kontrast. Erstaunlich wie begünstigt das Klima im Schutz der Eiskappen hier ist. Skaftafell vor 3 Tagen trug noch ein schlicht herbstliches Kleid.

Die Hütte wird die Tage gerade erst aus dem Winterschlaf geholt. Die Jungs und die Hüttenwartin haben den alten Traktor geweckt und pflügen den halben Abend damit durch die Krossá.


Der Wasserfall am Ende der Stakkholtgjá


30. Juni 2000          Etappe 1 - von Langidalur nach Botnar / Emstrua
 
An sich wollten wir heute noch ein Stück tiefer in die Schluchtenwelt des Götterlandes vordringen. Aber die Hüttenwartin rät uns noch heute Richtung Landmannalaugar aufzubrechen. Es steht das Wochenende an, an dem der erste Ferienlohn ausbezahlt wird. Für heute abend werden an die 5000 Menschen erwartet und dann wird neben der Krossa noch ein Alkoholstrom im Tal fließen. Ja gut, vielleicht ist uns dieser krasse Gegensatz zur momentan vortouristischen Ruhe doch zu krass. Es soll sich auch wettertechnisch als klug herrausstellen den Rat zu befolgen.

Deshalb satteln wir jetzt auf und starten auf dem Laugavegur. Vor 2 Jahren war die Þröngá ein einarmiger, brauner und stark strömender Gletscherfluss. Heute ist es ein zweigeteilter, gerademal wadentiefer Bach. Fast zeitgleich sind mit uns 2 Frauen aufgebrochen. Und ein ganzes Stück oberhalb furtet noch ein einzelner Wanderer mit einem weißen Kopftuch. Den ganzen Tag über kommt uns sonst niemand entgegen. Das Wetter ist ein Traum, Sonnenschein und blauer Himmel, milde Temperaturen und kaum Wind. Da wir generell langsame Wanderer sind, immer wieder fotografieren zwischendurch, und da wir beide autark ausgerüstet somit auch ziemlich bepackt sind, brauchen wir lange bis wir die Hütten Botnar in Emstrur erreichen. Mühsam wird es aber erst nach der Brücke über die Fremri-Emstruá, wo es einen kurzen aber steilen sandigen Hang hinaufgeht.


Sandar und der Entujökull     
 
So langsam brennen uns die Füsse, wir sind froh dass das Ziel nun näher rückt. Eine der Hütten ist offen aber keiner da. Die Wasserleitungen sind auch noch nicht in Betrieb, Wasser gibt es aber gleich ein Stück unterhalb am Bach. Wir kochen erstmal auf der Terrasse.

Etwas lästig sind die Fliegen. Einziger Nachteil bei Windstille. Eines der Mistviecher krabbelt mir ins Ohr. Ich hatte den Eindruck sie wär nicht wieder raus, aber da ich nichts mehr spüre denke ich nicht weiter drüber nach. Minuten später kommt das Viech dann plötzlich doch rausgekrabbelt. Ekelhaft! Das versaut mir erstmal für eine Weile die Stimmung. Was macht eine Fliege so lange in meinen Kopf? Ein Nickerchen? Ich wills gar nicht wissen.

Außerdem machen wir uns langsam Sorgen und die beiden Damen. Bei der Brücke waren sie kurz hinter uns. Und inzwischen ist eine Stunde vergangen. Gerade als wir schon los wollen um nachzusehen, treffen sie ein. Die beiden hat der Tag noch mehr geschlaucht und sie brauchten eine Pause. Aus reiner Faulheit und weil sonst keiner mehr kommt beziehen wir zu viert die Hütte.


01. Juli 2000           Etappe 2 - von Botnar / Emstrua zum Álftavatn
 
Die Sonne weckt uns durch das Panoramafenster. Ein weiterer Traumtag kündigt sich an. Der Hattafell hat sein gründes Kleid angelegt. Allein die faszinierenden Wüstenblumen, Stengelloses- und Aufgeblasenes Leimkraut, Grasnelke usw. schlafen größtenteils noch. Auf einem Altscheefeld haben sich hunderte von schwarzen Lavasandkegeln versammelt. Sieht eigenartig aus. Wir vermuten es ist Asche vom Hekla Ausbruch im Februar, die sich beim Schmelzen des Schnees zu kleinen Kegeln häuft. Der Tag heute hat Wüstencharakter. Ich bin das ja alles schon mal gelaufen, aber bei diesem Wetter ist das nochmal schöner. Und es ist noch so traumhaft ruhig jetzt. Wieder kommt uns kein Mensch entgegen. Wir sind nach wie vor zu fünft. Denn als in der weiten Wüstenebene schert von rechts aus dem Nichts der Wanderer mit dem weißen Kopftuch ein. Ein kurzes Nicken und schon ist er bald wieder unserem Blick entschwunden.

Sandwüste westlich des Mırdalsjökull   

Bei einer Pause holen uns Gudrun und Elke ein und wir Ratschen eine Weile. Eine ehemalige Arbeitskollegin von Gudrun arbeitet seit einiger Zeit in Reykjavik. Jetzt sind die beiden auf Besuch im Land und zum ersten mal im Leben auf Trekkingtour. Nicht dass ich es ihnen nicht zugetraut hätte, aber ich muss sagen ich finde das toll. Die beiden sind überhaupt ein nettes Paar. Während Gudrun eindeutig die praktischere Natur ist, sonnt sich Elke in der Kraft die von den Steinen ausgeht.

Tom findet es ganz toll einen Fluss zu furten in dem noch Eisbrocken schwimmen. Heldenhaft!

An der Autofurt der Kaldaklofskvísl will ich das Warnschild fotografieren. Und sag noch dass heut ja leider kein Auto passend zum Bild zu erwarten sein wird. Zum einen gingen wir davon aus dass die Piste noch gesperrt ist, zum anderen sieht das ganze auch unfurtbar aus. Aber wie heißt es so schön: "Unverhofft kommt oft." Wir vernehmen Motorengeräusche die bald sehr deutlich werden. Zwei recht jung wirkende Fahrer in einem Geländewagen stehen alsbald an der Furt. Die werden doch nicht? Doch, sie tun es. Rauf aufs Schneebrett, wupp, mit der Nase in die braunen Fluten, wupp, das Hinterteil hinterher und sie rumpeln durch den Fluss. Der Beifahrer steckt den Kopf raus und begutachtet grinsend den Wasserstand an der Wagentür.

Theorie und Praxis   
 
Wir nehmen die Fußgängerbrücke. Im Hanngil werfen wir nur einen kurzen Blick in die Hütte. Wir wollen noch weiter zum Álftavatn von dem uns nur noch ein paar Hügel trennen. Die Furt der klaren Bratthálskvísl ist wider erwarten ziemlich tief und schnell. Wir schaffen es aber alle vier ohne reinzuplumsen.

Leuchtend Blau die Bratthálskvísl   
 
Bei den Hütten am See werden wir von einer sympathischen Rosenheimerin nicht mehr jüngsten Datums begrüßt. Sie war uns einen Tag voraus und hat einen Ruhetag eingelegt. Hätten wir uns nicht für den Bus entschieden, wären wir zeitgleich über den Fimmvörðuháls gegangen. Bei Schnee- und Eisregen, wie wir erfahren. Wir fühlen uns in unserer Entscheidung bestätigt. Gut dass die Hütte offen war, meint sie, denn bei ihrem Zelt darf es nicht regnen. Stimmt, wir haben es noch kennen gelernt und gleich selbigen Gedanken gehabt. Überhaupt hätte man sie allein der Gewandung nach eher an einem griechischen Strand als im isländischen Hochland vermutet. Da sieht man's mal.

Die Hütte ist offen, und soweit ich mich erinnere ist auch hier das Wasser noch nicht angestellt. Aus Richtung Landmannalaugar kommen dann noch zwei Skiwanderer, und die Freundin von Gudrun. Sie kam heute mit dem ersten Bus in diesem Jahr nach Landmannalaugar und ist direkt zum Álftavatn durchgelaufen.
 

02. Juli 2000           Etappe 3 - vom Álftavatn zum Pass Hrafntinnusker
 
Kaum fassbar. Blauer Himmel spiegelt sich im Álftavatn auf dem 4 Schwäne schwimmen.          Álftavatn - Schwanensee.

In bester Wanderlaune machen wir uns wieder auf den Weg. Da ist er wieder. Der einsame Wanderer. Kommt von rechts aus der Landschaft und ist schon gleich auch wieder weg. Direkt unheimlich. Der Typ muss recht menschenscheu sein.

Was bald von Nachteil wäre. Der erste Bus des Jahres hat nicht nur Susanne ausgespuckt. Während wir uns mühsam den Aufstieg am Jökultungur hinaufkämpfen, kommen uns einige Wanderer entgegen. Quasi alle auf einen Schwung. Nach den letzten Tagen kommt uns das ein bisschen vor wie am Stachus. Aber oben vergessen wir das. Die Aussicht ist überwältigend. Das lasse ich einfach mal so stehen.
   
Mırdalsjökull, Eyjafjallajökull und Álftavatn   
 
Ab sofort befinden wir uns in der Welt der bunten, in weiche Formen erodierten Rhyolithberge. Aus den vielen Furchen im Gelände steigt Dampf der heißen Quellen auf. Dass wir recht früh im Jahr dran sind hat hier einen praktischen Nutzen. Die meisten der Gräben sind noch mit Schnee angefüllt was uns viel an Auf und Ab erspart. Trotzdem sind die letzten Kilometer auf dem Schnee heute ein wenig mühsam für mich und ich bin froh als wir die Hütte erreichen. Die Rosenheimerin hat sich schon eingerichtet und auch wir sichern uns gleich 2 Matratzen. Vor 2 Jahren hab ich hier in den schwarzen Obsidiansteinen gezeltet. Heute liegt der Pass mehr oder weniger unter einer geschlossenen Schneedecke. Der einsame Wanderer entpuppt sich als Quasselstrippe namens Bernd. Vielleicht hat er ja Nachholbedarf wegen der letzen Tage. Zu jedem Thema 5 Seiten Text parat.

Die Hütte füllt sich zusehends. Uns zieht es noch mal an die frische Luft und wir spazieren auf den Hrafntinnusker. Der platteste Berg den ich je bestiegen habe. Übersäht mit Scherben aus vulkanischem Glas - Obsidian. Man hat einen wunderbaren Blick auf die Umgebung bis zum Eyjafallajökull unter dem wir vor 3 Tagen aufgebrochen sind. Überall steigen Dampffahnen auf. Siehe Bild ganz oben.

Als wir am späten Abend zurück sind ist die Hütte proppevoll. Trotzdem kehrt relativ bald Ruhe ein. Hätten wir gar nicht erwartet da um uns rum eine Jugendgruppe aus Wiesbaden kampiert. Aber die Jungs schleppen jeder allein 10 Kilo Lebensmittel mit und sind entsprechend fertig und am Wundenlecken. Wir schlafen unter dem Schutz eines ausgestopften Raben.
 
Hrafntinna - Rabenstein   
 

03. Juli 2000           Etappe 4 - vom Pass Hrafntinnusker nach Landmannalaugar
 
Weg. Alles ist weg. Die Welt um die Hütte ist weg. Wegen dem Nebel lässt die Hüttenwartin nur Leute mit Kompass oder GPS loslaufen. Wir sind trotz GPS sehr froh dass man im Schnee die Spuren der Wanderer vom Vortag noch sehr gut ausmachen kann. Die Markierungspflöcke tauchen nur sporadisch auf. Ohne Spuren oder GPS wäre man aufgeschmissen in dieser Landschaft. Außer der großen Stórihver, einer heißen Quelle die direkt am Weg liegt, sehen wir bis kurz vor der Ankunft in Landmannalaugar praktisch nichts. Der Sichtradius beträgt größtenteils maximal 50 bis 100 Meter. Als wir bei einer Snickers-Pause auf einem Steinhaufen sitzen, kommen die Rosenheimerin und Bernd aus dem Nebel gelaufen. Die Rosenheimerin grüßt freundlich und ist im Nu wieder im Nebel verschwunden. Jetzt haben wir Bernd. Mit der dumpfen Stille im Nebel ist's vorbei. Er ist ja eigentlich gar nicht so zwider aber wenn er nicht ständig mit seinem Eispickel rumfuchteln würde. Ich seh ihn immer schon vor uns liegen mit dem Ding im Rumpf stecken. Bloß nicht stolpern, Bernd.

Erst bei der Brennisteinsalda sind wir so tief dass wir unter den Nebel kommen.
 
Ankunft an der Brennisteinsalda   
 
Unsere Wandergefährtinnen der letzten Tage treiben bereits genussvoll in der heißen Quelle, ganz für sich allein. Wir bauen erst die Zelte auf und starten anschließend zum Wellnes. Und ratet mal wer jetzt schon drin sitzt ... Als dann aber 5 blutjunge Däninnen im Bikini eintauchen ist selbst Bernd sprachlos. Leider ist der Bach heute nicht ganz optimal temperiert, verbrühter Hals und kalter A.....

Die 2. Belohnung ist eine ausgiebige heiße Dusche. Vor 2 Jahren wurde gerade das Fundament betoniert, seit ein paar Tagen ist es eröffnet: Das große neue Sanitärhaus. Ich darf gar nicht daran denken wie es 7 Jahre zuvor hier noch war. So viel rustikaler. Der Zauber ist dahin. Aber dafür sind die Zeitmaschinen noch nicht installiert und wir genießen unlimitiertes Duschvergnügen.

Die 3. Belohnung wartet im Fjallafang Cafe auf uns: Cola und Sandwiches mit frischem Käse, Salat, Tomaten ...

 
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